Starker Arbeitsmarkt = starke Rente?

„Der deutsche Arbeitsmarkt geht stark ins neue Jahr“, mit diesen Worten begrüßte Arbeitsministerin Andrea Nahles die Öffentlichkeit in der ersten Pressemitteilung des Jahres 2017. Ja, die Zahlen sind gut: Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums stieg die Zahl der Erwerbstätigen im letzten Jahr auf knapp 44 Millionen. Das ist der Höchststand seit der Wiedervereinigung. Mit knapp 2,7 Millionen Personen im Jahresdurchschnitt war auch die Zahl der Arbeitslosen so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Alles gut also, auch für die Rentenerwartungen? Keineswegs. „Beim Blick aufs Detail bekommt die Statistik unschöne Flecken“, schreibt Stefan Sauer in der Berliner Zeitung. Er hat genauer hingeschaut: Gegenüber dem Vorjahr gibt es zwar mehr sozialversicherungpflichtig Beschäftigte, allerdings ist auch die Anzahl der befristeten Stellen gestiegen, die Zahl der Leiharbeiter erreichte 2016 mit knapp einer Million sogar einen Höchststand.

Das gleiche dürfte für Teilzeit-Arbeit gelten: Auch wenn 2016 fast eine halbe Millionen mehr Menschen in Deutschland erwerbstätig waren als im Jahr zuvor, der Umfang der Arbeitsstunden hat kaum zugelegt. Umgelegt auf alle Erwerbstätigen hat sich die Arbeitszeit im Durchschnitt sogar verringert. Teilzeit-Arbeit und atypische Beschäftigung sind weiterhin auf dem Vormarsch.

Das ist keine neue Entwicklung. Bereits seit den neunziger Jahren ist zu beobachten, dass die Zahl der Erwerbstätigen zwar kontinuierlich zunimmt, weil immer mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt streben, vor allem sind mehr Mütter berufstätig. Der Umfang der geleisteten Arbeitsstunden ist dagegen seit den frühen neunziger Jahren unverändert. Mit anderen Worten: Immer mehr Erwerbstätige teilen sich einen gleichbleibend großen Kuchen an Arbeitsstunden. Immer mehr Frauen sind berufstätig, aber immer mehr arbeiten Teilzeit. Existenzsichernde Renten lassen sich damit im bestehenden Rentensystem kaum erwirtschaften.

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